Ein Geräusch im Waldschatten

 

Michael Klette und Georg Janthur in der Galerie Anna Franke

 

Kennengelernt haben sich der Wuppertaler Georg Janthur und der Aachener Michael Klette 1993 bei einem Malerei-Symposium. Hier entdeckten sie auch ihre gemeinsame Themenwahl. denn beide Künstler beschäftigten sich zu dieser Zeit gerade mit Tierdarstellungen. Bei gemeinsamen Besuchen des Wuppertaler Zoos reifte dann die Idee eines gemeinsamen künstlerischen Projekts. Doch nicht Gemeinschaftsbilder sollten entstehen, sondern zu vorher festgelegten Tieren und Bildtiteln mußte jeder der Maler einen Teil eines Diptychons schaffen. Beide unabhängig voneinander entstandenen Bildtafeln sollten dann in einer Ausstellung nebeneinander als ein Werk präsentiert werden. Diese Präsentation ist ab morgen in der Galerie Anna Franke zu sehen, wo um 11 Uhr die Ausstellung unter dem Titel "...und das dezente Geräusch im Waldschatten..." eröffnet wird. Eine Einführung wird Dr. Wolf Jessewitsch geben, der zukünftige Leiter des Solinger Kunstmuseums. Jessewitsch hat auch den Text zum Ausstellung-Katalog beigesteuert.

Prächtige Bildräume

Wenn Michael Klette der Realist des Duos ist, so ist Georg Janthur der Expressionist mit dem nüchtern harten Blick und Pinselstrich auf das Ende aller Dinge. Denn während Klette seine gegenständlichen Tierdarstellungen in orientalisch-prächtige Bildräume setzt, zeigt Janthur die Reste, die nach dem Tod der Tiere übrig bleiben. Verwesende Kadaver und Skelette. Beide Maler entziehen sich durch ihre unterschiedlichen künstlerischen ansätze der Realität des Augenblicks. Der eine taucht seine Motive in märchenhafte goldgemalte Zauberbilder voller Ornamente. Strukturen und Muster, der andere wirft einen illusionlosnüchternen Blick auf Körper.

Papierarbeiten

anzuraten ist jedem Besucher der Ausstellung in der Galerie Franke, den Rundgang bei den Papierarbeiten zu beginnen. Denn hier ist das strenge Konzept, welches hinter den teilweise großformatigen Leinwandarbeiten steckt, soweit zurückgenommen, daß die unterschiedlich stilistischen Ansätze und Positionen der beiden Maler deutlicher hervortreten. Man weiß also bei der anschließenden Betrachtung des sich auf einem roten Sofa lustvoll lümmelnden Hirschen, der auf der zweiten Bildtafel mit seinem eigenen Skelett konfrontiert ist, mit wem man es jeweils zu tun hat.
Malerei und Zeichnungen von Michael Klette und Georg Janthur in der Galerie Anna Franke, Schützenstraße 39. Bis 28. Juni. Öffnungszeiten: mittwochs und freitags jeweils von l6 bis 19 Uhr.
MiTe

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